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Digitalisierung im Gleis: Mehr Transparenz durch innovative Technologie

27. März 2026 | 

Immer mehr Personen und Güter sollen zukünftig auf der Schiene befördert werden. Dadurch stößt das Schienennetz zunehmend an seine Grenzen. Wie bleibt die Schiene auch zukünftig ein attraktiver Bestandteil der Transportkette? Sandra Baltic, Produktmanagerin bei voestalpine Railway Systems, über die Rolle der Digitalisierung für mehr Verfügbarkeit, Sicherheit und vorausschauende Instandhaltung.

Wie verändert die Digitalisierung die Überwachung von Gleissystemen und die Strategien für vorausschauende Instandhaltung?

Die Digitalisierung macht Gleissysteme vollständig transparent. Mithilfe von Technologien - wie RFID (Radio Frequency Identification) - können wir jede Schiene präzise identifizieren, lokalisieren und ihren Zustand über die gesamte Lebensdauer nachverfolgen. Das wiederum ermöglicht datenbasierte Entscheidungen, frühzeitige Warnungen vor dem Erreichen relevanter Infrastrukturgrenzen und eine vorausschauende Instandhaltung. Im Ergebnis sinken Kosten und die Verfügbarkeit steigt.

Welche Funktionen übernehmen RFID-Tags und Sensortechnologien bei der Erfassung von Performance- und Lebenszyklusdaten?

RFID-Tags liefern die eindeutige Identität jeder Schiene. Sensoren dagegen liefern Erkenntnisse zum Zustand des Gleises. Gemeinsam ermöglichen sie eine lückenlose Rückverfolgung sowie die Erfassung relevanter Gleisparameter. Diese Daten bilden die Grundlage für einen digitalen Zwilling, der zeigt, wie sich jede Schiene unter realen Betriebsbedingungen entwickelt und wann Instandhaltung wirklich notwendig ist.

Wenn Kund:innen den Zustand ihrer Gleise im Detail verstehen möchten, setzen wir gezielt Messtechnick aus verschiedenen Datenquellen ein. Für die umfassende Analyse des Gleiszustands kann beispielsweise unsere neu entwickelte Messdraisine eingesetzt werden. Sie bietet den Vorteil, dass eine einzige Messfahrt alle relevanten Gleisparameter kontinuierlich aufnimmt. Zur Erfassung der Gleisbeanspruchung im laufenden Betrieb errichten wir Gleismessstellen, die belastungsrelevante Muster erkennen können, die langfristig zu Schädigungen führen. So erhalten Betreiber:innen ein vollständiges Bild über den realen Gleiszustand und dessen Veränderungen. Damit können Kund:innen kritische Entwicklungen frühzeitig erkennen bzw. gezielt entschärfen.​

Wie lässt sich die Gleisperformance digital abrufen?

Mit unserer zentrak Plattform erhalten Infrastrukturbetreiber:innen eine zentrale Lösung, die sämtliche relevanten Lebenszyklusinformationen — von Herstellungs- und Einbaudaten über Belastungs- und Zustandsdaten bis hin zu End‑of‑Life — konsistent zusammenführt. Grundlage dafür sind Tags mit einem Data‑Matrix‑Code und einer integrierter RFID‑Funktion, die direkt an die Schienen angebracht werden. Im Gleis können Techniker:innen den Data‑Matrix‑Code mit dem Smartphone oder Tablet in der App scannen und erhalten damit unmittelbar Zugriff auf die zugehörigen Stammdaten. Dadurch lassen sich Wartungsarbeiten oder Auffälligkeiten direkt und digital dokumentieren.

Im laufenden Betrieb ermöglicht die RFID‑Funktion ein automatisiertes Auslesen der Tags über einen On‑Board‑Reader, etwa auf einem Schienen- oder Messfahrzeug. Dadurch ist ein vollständig automatisierter Datentransfer möglich. Die ausgelesene RFID‑Nummer und GPS‑Position werden beispielsweise mit den Stammdaten verknüpft und in zentrak übertragen, wo weitere Messdaten ergänzt und interpretiert werden können. So entsteht ein virtuelles Gleisnetz, in dem jede Komponente über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg lückenlos rückverfolgbar ist und deren Performance messbar wird. Das ist die Grundlage für volle Transparenz und ein datenbasiertes, kollaboratives Asset Management.

Welche Vorteile bietet die digitale Verortung von Komponenten im Gleis?

Erst nachdem jede Komponente eindeutig identifiziert und präzise verortet wurde, kann die virtuelle Abbildung des Gleisnetzes überhaupt beginnen und eine automatisierte Verknüpfung mit Gleiszustandsdaten erfolgen. Wenn zum Beispiel Verschleiß- oder RCF-Daten auf eine exakt verortete Komponente zurückgreifen, entstehen präzise Zustandsbilder. Dadurch wird die Performance nicht nur streckenweise, sondern komponentengenau messbar.

Durch die Zusammenführung aller Gleisdaten in einem digitalen System sehen alle Stakeholder:innen auf einen Blick, welche Bauteile an welcher Stelle verbaut sind, welche Historie sie haben und wie sie performen. Für Kund:innen bietet das die Möglichkeit zu Performance-Vergleichen, einer performancebasierten Komponentenauswahl sowie planbare Gleiseingriffe und eine höhere Netzverfügbarkeit. Aus zentral abgelegten Performance-Daten lassen sich Muster und Trend erkennen, sodass Ursachen für wiederkehrende Schäden im Gleis identifiziert und gezielte Gegenmaßnahmen ergriffen werden können – anstelle kostenintensiver Austauschmaßnahmen.

Welchen Ansatz verfolgt voestalpine Railway Systems bei der Digitalisierung von Gleissystemen?

Wir verfolgen bei der Digitalisierung von Gleissystemen einen ganzheitlichen, systemorientierten Ansatz. Ein zentraler Vorteil besteht darin, dass wir als Gesamtsystemanbieter nicht nur Schienen, sondern auch weitere Oberbaukomponenten liefern und dadurch alle Bauteile eines Gleises konsistent in einem System - zentrak - digital abbilden können.

Wenn Komponenten von unterschiedlichen Hersteller:innen stammen, ist eine gebündelte Datenhaltung oft schwierig. Durch unsere Systemkompetenz können wir jedoch sämtliche Informationen zentral erfassen, vernetzen und in einer digitalen Struktur zusammenführen. zentrak ermöglicht es uns, die Komplexität des Gleises in eine klar verständliche Realität zu überführen, in der alle Komponenten identifizierbar sind und ihre Zustände nahtlos erfasst werden. Dadurch ist eine durchgängige, digitale Abbildung des kompletten Gleissystems möglich. Das macht uns einzigartig.

Wie blickt voestalpine Railway Systems auf die digitale Zukunft des Gleismanagements?

Wir blicken auf die digitale Zukunft des Gleismanagements mit einer klaren Vision: resiliente Gleissysteme Realität werden zu lassen - und Resilienz beginnt mit Vorhersagbarkeit. Durch Datengewinn möchten wir nicht nur Handlungsempfehlungen ableiten, sondern einen weiteren Schritt gehen und das Gleis auf Basis echter Performance‑Erkenntnisse optimieren - ohne den täglichen Betrieb zu beeinträchtigen. Gerade auf kilometerlangen Bahnstrecken ist eine flächendeckende, nahtlos integrierte Lösung entscheidend. Deshalb ist das unser Anspruch: Performance‑Transparenz schaffen - ohne Betreiber:innen, Fahrgäste oder Mitarbeitende zu belasten.

Die gewonnenen Daten erlauben es, Bahnstrecken virtuell zu modellieren, Betriebsszenarien zu simulieren und damit neue Optimierungs‑ und Effizienzpotenziale zu erschließen. Damit verfolgen wir eine klare Zielrichtung: ein Gleismanagement, das durchgehend digital unterstützt wird, auf zuverlässigen Performance‑Daten basiert und hochverfügbare, effiziente sowie zukunftssichere Bahninfrastrukturen ermöglicht.

Über den Experten

Seit drei Jahren ist Sandra Baltic Teil des Produktmanagements Schiene bei voestalpine Railway Systems. Als technischer Lead verantwortet sie internationale Märkte wie Großbritannien, Skandinavien und Asien und treibt gleichzeitig die Geschäftsentwicklung im Bereich Digital Track voran. Ihr Antrieb ist es, Innovationen zu schaffen, die das Bahnsystem nachhaltig intelligenter und effizienter machen.